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Ich bin jetzt den knapp eine Woche in der Ukraine, genauer gesagt in Lwiw, und liebe es! Lwiw ist die schönste Stadt, die ich jemals besucht habe! Ich habe mich sofort in sie verliebt und bin froh, trotz des Krieges gegen die Ukraine hierher gekommen zu sein. Eigentlich bin ich wegen des Krieges hier. Es gibt viele Gründe in die Ukraine zu reisen, trotz und gerade wegen des Krieges.
Meine Hauptmotivation war, als Freiwillige noch konkreter helfen zu können, dass dieser Krieg möglichst bald endet. Natürlich tragen Spenden, Demonstrationen und unser wöchentliches Friedensgebet auch dazu bei, aber mir war das nicht genug. Ich wollte nicht nur vom Seitenrand die Ukraine unterstützen, sondern aktiv, mit meinen Händen, mitarbeiten. Indem ich bei „Frontline Kitchen“ Gemüse putze und schneide, aus dem Mahlzeiten für die Soldaten an der Front zubereitet werden, sehe ich ein Ergebnis meines Engagements, sehe die Menschen, denen es hilft und die sich sehr freuen, dass Menschen aus vielen Nationen aufgemacht haben, ihren Beitrag zur Unterstützung der Ukrainer zu leisten.

Die Unterstützung ist auch für andere Bereiche wichtig. Schon allein, dass man in der Ukraine ist, hier eine Ferienwohnung mietet, isst und trinkt, also konsumiert, hilft der ukrainischen Wirtschaft. Ein Besuch eines Museums, eines Konzertes oder der Oper ist nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern trägt auch zum Erhalt und der Förderung ukrainischer Kultur bei. Viel zu lange wurde die ukrainische Kultur und Geschichte nicht als eigenständig wahrgenommen, sondern meist in die sowjetische oder – noch schlimmer – die russische Kultur und Geschichte subsumiert. Hier gibt es nicht nur für mich noch viel zu lernen und zu entdecken. Ich freue mich darauf!
Dieses Interesse an der Ukraine ganz allgemein und das vielfältige Engagement der Menschen weltweit, ist für die Ukrainer von enormer moralischer Bedeutung, wie es mir vorher nicht so deutlich bewusst war. Allen Freiwilligen erhalten soviel Dankbarkeit, werden herzlich begrüßt. Zu wissen, dass sie und ihr Kampf um ihr Leben, ihr Land und ihre Freiheit nicht vergessen werden, gibt den Ukrainern Kraft, weiter zu bestehen. Diese Unterstützung ist so wichtig wie Waffen und Panzer, denn die großartige freiwillige Arbeit die viele Ukrainer, die nicht in der Armee sind, neben Arbeit und Familie leisten, und die regelmäßigen Angriffe durch Raketen und Drohnen kosten ihnen viel Schlaf und Energie.

Nicht zuletzt ist natürlich die Ukraine selbst Grund genug, hierher zu kommen. Schon allein Lwiw muss man gesehen haben! Die Architektur dieser Stadt beeindruckt ungemein, es gibt viele schöne Parks und Plätze zum verweilen. Lwiw ist eine lebendige Stadt, mit vielen jungen Menschen, die Plätze sind bis in die Nacht (derzeit bis zur Ausgangssperre) voller Menschen. Die Hauptstadt Kyjiw oder Odesa und Charkiw sind ebenso eine Reise wert, aber auch die Landschaft ist beeindruckend. Ganz sicher werde ich auch eines Tages in die Karpathen fahren und dort wandern. Vor allem aber bin ich von den Ukrainern beeindruckt, die sich ihre Lebensfreude nicht nehmen lassen. Vielmehr, so mein Eindruck, feiern sie gerade wegen des Krieges das Leben und zeigen so den russischen Aggressoren ihren deutlichen Widerstand und setzen ihre Liebe zum Leben dem Vernichtungswillen Russlands entgegen.
Ein Gedanke zu “Vier Gründe, die Ukraine zu besuchen”